Im Sinne der Patienten und der Mitarbeitenden in den Krankenhäusern muss es endlich weniger Bürokratie in den Kliniken geben. Mehr Bürokratie bedeutet zugleich immer weniger Personal am Patientenbett.

Ein gutes Beispiel für den Bürokratie-Wildwuchs ist der  aktuell vorgelegte Entwurf des Niedersächsischen Krankenhausgesetzes (NKHG). Dieser will in Niedersachsen die Einstellung zusätzlicher Apotheker auf den Stationen sowie eine Ausweitung der Datenerfassung für Statistiken für alle Krankenhäuser in Niedersachsen verpflichtend machen.

Der flächendeckende Einsatz von Stationsapothekern ist wegen der mangelnden Verfügbarkeit von Apothekern am Arbeitsmarkt nicht zu erfüllen. Ob mit ihrem Einsatz das Ziel einer höheren Patientensicherheit erreicht werden könnte, ist ebenfalls zweifelhaft. Sinnvoller wäre beispielsweise eine flächendeckende Förderung technischer Möglichkeiten für die Arzneimittelsicherheit.

Darüber hinaus enthält der Gesetzentwurf ein Bündel unpraktikabler Maßnahmen sowie erweiterter und doppelter Datenerfassungen. Das angedachte Rotationssystem von Pflegepersonal auf Intensivstationen beispielsweise ist in der Praxis nicht umsetzbar. Leistungserbringung auf hohem qualitativen Niveau erfordert, dass das Personal routiniert arbeitet und die Zusammenarbeit untereinander „eingespielt“ ist. Voraussetzung für die Rotation wäre die Einstellung von weiterem Pflegepersonal für den Intensivbereich. Bereits jetzt ist der Arbeitsmarkt für Intensivpflege-Fachkräfte aber schon extrem angespannt.

Patientensicherheit und Versorgungsqualität im Krankenhaus werden durch starre, auf dem Arbeitsmarkt nicht abdeckbare pauschale Vorgaben nicht verbessert. Auch fehlt es an einer ausreichenden Finanzierung der zusätzlichen Kosten. Die vom Gesetzgeber vermuteten Summen sind eindeutig zu gering angesetzt.

Neben Unterfinanzierung und Investitionsstau ist die immer weiter ausufernde Bürokratie die größte Hürde, die die Kliniken im Interesse ihrer Patienten überwinden müssen. Jeder Beitrag, um diese Probleme zu überwinden, wäre ein echter Schritt zu mehr Patientenorientierung und hätte die Unterstützung der niedersächsischen Krankenhäuser. Der vorgelegte Gesetzentwurf bewirkt jedoch das Gegenteil.